13. März 2010

Ich habe nicht die geringste Ahnung wie gut oder wie schlecht der Victorinox Secure USB-im-Taschenmesser-Stick abgesichert ist. Als regelmäßiger Flugpassagier habe ich für Taschenmesser auch nicht mehr so viel Verwendungszweck. Die Fummler am Flughafen nehmen einem die gerne mal ab. Und zu guter Letzt muß ich bei Victorinox immer an das Bild aus Asterix und der Arvernerschild denken, in dem Vercingetorix seine Waffen Cäsar auf die Füße knallt.
Was ich aber bei Bruce Schneier gelernt habe ist, daß ein Crypto-Wettbewerb mit der Aufgabe für eine Summe x (bei Victorinox sind das immerhin 100.000 Pfund) eine Verschlüsselung zu brechen kein Hinweis für gute Verschlüsselung sondern viel häufiger ein Hinweis auf Snake Oil Cryptography ist:
Warning Sign #9: Cracking contests: Contests are a terrible way to demonstrate security. A product/system/protocol/algorithm that has survived a contest unbroken is not obviously more trustworthy than one that has not been the subject of a contest. The best products/systems/protocols/algorithms available today have not been the subjects of any contests, and probably never will be. Contests generally don’t produce useful data.
Ob das alles jetzt für oder gegen Victorinox spricht, kann ich leider nicht beurteilen. Vielleicht wurde Victorinox auch nur von einer schlechten Marketingagentur beraten.
Foto: AskDaveTaylor, Lizenz: CC
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13. März 2008
Das hätte ich ja beinahe übersehen, in der Deutschen Presse steht noch gar nichts dazu. Nur bei The Register ist der Artikel sogar die Hauptseite wert. Der leicht verwirrende Titel “Microscope-wielding boffins crack Tube smartcard” verdeckt jedoch ein wenig den Blick auf das Wesentliche.
Henryk Plötz, Karsten Nohl und Starbug haben ihre Ankündigung auf dem 24C3 wahr gemacht und sich weiter mit der Mifare Classic Verschlüsselung beschäftigt. Karsten Nohl hat inzwischen eine komplette Kryptoanalyse des bisher von NXP geheim gehaltenen Algorithmus veröffentlicht.
Wie schon auf dem 24C3 angekündigt ist es aufgrund von Implementierungsschwächen des Algorithmus möglich, die Verschlüsselung einer Karte mit geeigneter Hardware in wenigen Minuten, auf Standard-PC-Hardware etwas länger, zu brechen. Um beispielsweise damit umsonst in der Londoner U-Bahn zu fahren oder Zugang zu einer versperrten Chemiefabrik zu bekommen ist das ein überschaubarer Aufwand.
Im Grunde ist die Migration auch technisch nicht besonders schwierig. NXP bietet mit Mifare DESfire (DES-Algorithmus) und Mifare Plus (AES-Algorithmus) auch sichere Varianten der Karte an, allerdings zu einem deutlich höheren Preis. Die einfachen Mifare Classic Karten gibt es schon für wenige Cent. Entsprechend wurden laut NXP bisher auch weit über eine Milliarde Karten verkauft. Die alle abzulösen wird mehrere Jahre dauern, wenn überhaupt das wirtschaftliche und politische Interesse dazu besteht.
Oder wie Karsten Nohl formuliert: “Standardisierte Verschlüsselungsverfahren (wie DES oder AES, Anm.) bieten einen sehr gut untersuchten und verstandenen Sicherheitslevel. Mit einem proprietären Algorithmus kann man das nie garantieren.”
Mal sehen, wann das BSI das mit ihrem Chiasmus auch kapiert. Chiasmus ist der BSI-eigene geheime Blockverschlüsselungsalgorithmus mit 128 Bit Schlüssellänge (160 Bit, davon aber 32 Bit Prüfsumme), der in der gleichnamigen Software und in den SINA-Boxen eingesetzt wird. Ich vermute ja, die Sicherheit von Chiasmus basiert lediglich darauf, daß niemand der Ahnung hat die Software in die Finger bekommen darf.
Nachtrag:
Inzwischen sind die Ergebnisse verifiziert und bestätigt. Sogar Heise hat inzwischen einen Artikel dazu. Ein paar Niederländer haben den skizzierten Angriff auf Crypto-1 inzwischen so optimiert, daß Ergebnisse bereits nach wenigen Sekunden verfügbar sind. Die Betreiber des Niederländischen Nahverkersnetzes schätzen, daß weitverbreitete Angriffe und Betrugsversuche in spätestens zwei Jahren zu erwarten sind. Bis dahin wollen sie auf Mifare Plus umstellen. Ich frage mich ja, ob die Umstellung alleine der Steuerzahler finanzieren muß oder der Mifare-Hersteller NXP wenigstens mit den Preisen für die neuen Karten ordentlich nach unten geht.
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12. Dezember 2007
Das Handbuch of Applied Cryptography von Alfred J. Menezes, Paul C. van Oorschot und Scott A. Vanstone, erschienen bei CRC Press (ISBN 0-8493-8523-7) wird in der 5. Auflage (2001) auch zum Download (PDF und PS) angeboten.
“CRC Press has generously given us permission to make all chapters available for free download.”
und weiter
“Permission is granted to retrieve, print and store a single copy of this chapter for personal use. This permission does not extend to binding multiple chapters of the book, photocopying or producing copies for other than personal use of the person creating the copy, or making electronic copies available for retrieval by others without prior permission in writing from CRC Press.”
Na gut, das Buch neu drucken und binden lassen ist nicht zulässig. Und auch wenn aktuelle Algorithmen wie AES noch nicht behandelt werden, gehört das Buch in jede Sammlung von Online-Büchern.
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8. Dezember 2007
Das MIT stellt schon seit geraumer Zeit diverse Vorlesungen und Kurse für Studenten unter dem Titel MITOpenCourseware online. Weil ich den Link immer wieder verliere stelle ich ihn hier erstmal rein
Die Kurse decken wirklich alle Bereiche ab, auch wenn die am häufigsten gesehenen Kurse aus den Bereichen Physik und Chemie kommen. Ein paar echte IT-Perlen sind jedoch auch dabei:
- Den Kurs 6.857 Network and Computer Security finde ich beispielsweise recht interessant. Alleine das Einstiegsbild mit dem SSL-Handshake schreckt bestimmt schon ein paar Verzagte ab. Andererseits finde ich diese Grafiken immer recht hilfreich um zu zeigen, wie kompliziert IT-Security insgesamt und SSL im speziellen sein kann.
- 6.875 Cryptography and Cryptanalysis kommt auch nicht schlecht aber da wird es schon richtig kompliziert. Das ist dann nur noch für Profis und solche die es werden wollen. Ich glaube, wenn ich die Hälfte davon verstehe bin ich schon zufrieden.
- Und eine Vorlesung die ich auch gerne empfehle ist diese: 6.171 Software Engineering for Web Applications. Es treten so viele Sicherheitslücken in Webapplikationen auf, da braucht es definitiv etwas mehr Software Engineering.
Einziger Nachteil: man braucht sehr viel Zeit, das alles zu Lesen.
Und wem das alles nicht taugt, der findet vielleicht hier etwas. Gödel, Escher, Bach irgendwer? Oder lieber The Anthropology of Computing?
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