War doch klar … wenn man schnell genug die Kanäle wechselt oder (was ich eigentlich eher glaube, bei dem Budget das Google hat) auf allen Kanälen gleichzeitig Daten aufzeichnet, dann erwischt man zwangsläufig irgendwann unverschlüsselt übertragene Passwörter beispielsweise von Webseiten oder POP3-Accounts.
Interessant ist, dass die Aktion bisher keine praktischen Konsequenzen für Google hatte. Ok, Frau Aigner, unsere Bundesverbraucherschutzministerin ist ein wenig beleidigt (wen interessierts, wer kennt die überhaupt?), Herr Schaar, unser Bundesdatenschutzbeauftragter ist ein wenig empört (wayne … jeder zahnlose Rentner im Rollstuhl ist gefährlicher) und irgendeine Staatsanwaltschaft ermittelt sogar (wird eh eingestellt weil das Thema so komplex ist, dass der typisch deutsche Jurist spätestens beim dritten oder vierten Fachbegriff nichts mehr versteht). Insofern … ist das eigentlich doch nicht interessant.
Auf jeden Fall hat Google laut Golem ein Bauernopfer gefunden: “Dem Programmierer, der die Software entwickelt hat, die die Daten mitgeschnitten hat, drohen disziplinarische Maßnahmen, so Schmidt. Eine solche Software zu schreiben, sei “ein klarer Verstoß” gegen die Datenschutzregeln des Unternehmens.” Mich wundert nur immer wieder, wie der Schmidt lügen kann, ohne dabei rot zu werden.
Thilo Weichert, der oberste Datenschützer des Landes Schleswig-Holstein und der wichtigste Datenschützer in Deutschland (weil der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar leider nix reißt) hält die gängigen Cloud-Angebote mit dem geltenden Datenschutzrecht für nicht vereinbar.
Weichert: “Zwar spielen Integrität und Vertraulichkeit auf dem Cloud-Markt heute eine Rolle, doch für die Anwender bleibt die Cloud eine Black Box, die ihnen die Wahrnehmung ihrer Verantwortung unmöglich macht. Wer heute in einer Public Cloud Personendaten verarbeitet, handelt regelmäßig unverantwortlich und rechtswidrig.”
Ich gebe Thilo Weichert im Normalfall ja immer Recht, bei Cloud-Angeboten bin ich mir aber nicht sicher, ob er nicht über das Ziel hinausschießt. Ich persönlich sehe Cloud-Angebote wie ein Outsourcing. Ich nutze Dienste, die ein anderer betreibt. Das ist grundsätzlich erstmal nicht falsch oder böse sondern allein eine Gestaltung des Vertrags. Beispielsweise bieten Firmen wie Salesforce schon lange an, Kundenverwaltung auf deren Servern im Internet durchzuführen. Man spart sich so eine CRM-Software und kann auf umfangreiche Funktionen zugreifen. Und weil das modern ist, wird es heute halt als Cloud-Dienst beworden. Faktisch ist es Outsourcing. Amazon bietet sogar die Möglichkeit an, festzulegen in welchem Rechenzentrum die Daten gehostet werden sollen. Als Europäer kann ich mich dann für ein Rechenzentrum innerhalb der EU entscheiden und schon gilt wieder europäischer Datenschutz. Outsorcing an eine holländische Firma ist ja rechtlich auch kein Problem.
Interessant finde ich nur noch, dass Thilo Weichert kritisiert, “selbst in westlich demokratischen Staaten gebe es gesetzliche Regelungen zur Herausgabepflicht von Schlüsseln für behördlich geforderte Daten”. Damit sind offensichtlich Großbritannien und eventuell die USA gemeint. Gerade bei Großbritannien ließe sich aber eine einfache Lösung finden. Wie wäre es mit einer EU-Initiative zum Schutz persönlich verschlüsselter Daten. Einfach eine EU-Richtlinie die den Bürger vor Ausforschung schützt, indem verschlüsselte Daten nicht preisgegeben werden müssen. Aber da siegt dann wieder die Feigheit vor dem Feind weil eigentlich will das BKA genau diese gefährlichen Rechte auch in Deutschland.
Eigentlich weiß ich gar nicht, was ich heute so schreiben will. Naja, dann halt irgendwas buntes durcheinander:
Apple macht sich weiter unbeliebt
Apple zensiert munter weiter im App-Store. Der Bewertungsmaßstab scheint der durchschnittlichte Hillbilly-Farmer im religiösen Mittleren Westen zu sein. Was der nicht gut findet, wird von Apple auch gesperrt. Inzwischen scheint sich sogar Fanboy und Springer-Chef Döpfner unsicher zu werden. Jedenfalls wird auf allen Kanälen um Hilfe gerufen. Apple schert das gar nicht, jetzt wird mittels iAd-Zensur gegen Google und Microsoft geschossen. Langsam hat man das gesamte IT-Lager (Adobe, Microsoft, Google, …) gegen sich. Und zu aller Freude verliert Partner AT&T auch noch jede Menge Daten.
Adobe macht sich weiter unbeliebt
Zumindest gibt es schon wieder einen Zero-Day Exploit für Flash. Ich verstehe ja manchmal Steve Jobs wenn er Flash nicht auf dem iPfusch haben will. Zusätzlich zu den Fantastilliarden (Enzyklopädie, my ass) an Safari-Lücken auch noch die Flash-Lücken auf seinen Geräten? Dabei gibt’s einen simplen Workaround. Einfach die ganze Adobe-Software deinstallieren. Schon ist Ruhe. Lustig ist nur, dass laut Advisory die Lücke gleichzeitig Flash, Reader und Acrobat betrifft. Da wird anscheinend heftig Code wiederverwendet.
Facebook macht sich weiter unbeliebt
Und zwar durch fleißig aus dem iPhone abgegriffenen Telefonkontaktdaten. Löschen der Daten ist nicht vorgesehen. Auskunft was mit den Daten passiert: keine. Auskunft, wie die Daten geschützt werden: keine. Reaktion vom Bundesdatenschutzbeauftragten Peter Schaar: keine (der wird sich notfalls einfach für “nicht zuständig” erklären). Da kann man nur hoffen, dass man keine “Freunde” hat, die gleichzeitig iPhone- und Facebookaccount-Besitzer sind.
Offtopic: Grätzel gewinnt Millenium-Preis (und macht sich nicht unbeliebt)
Da geht es um organische Solarzellen. Allerdings scheint die Versiegelung des Elektrolyt noch ein Problem zu sein (falls man Wikipedia trauen kann). Das Genie unserer Familiearbeitet in Dresden ebenfalls an organischen Solarzellen und kommentiert das mit: “Das Gute daran ist, dass der optische Anregungszustand durch das TiO2 schnell in Ladungen getrennt wird. Aber das Problem ist der Elektrolyt und das andere reine organische Solarzellen wie unsere und Polymer-basierte in der Effizienz aufholen und jetzt bei 8% sind (Anmerkung: Grätzel-Zellen sind bei 11%). Ich denke das sich unsere Technologie oder Polymersolarzellen durchsetzen werden.”
Nachtrag:
Fefe hat die wichtigsten aktuellen Lücken in Flash aufbereitet. Langsam machen CVE-Nummern für Adobe gar keinen Sinn mehr. Die brauchen eine eigene Datenbank nur für Adobe-Lücken.
Ich habe meine persönliche Filterliste im Adblock Plus mal überarbeitet und neu strukturiert. Ich bin sicher, man kann die Filter noch optimieren für meine Zwecke sind sie jedoch schnell und effizient genug.
Spezialfilter für nervende Social Network Bookmark Links
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Anmerkung am Rande
Die einzige mir bekannte Webseite eines Medienunternehmens auf dem meine Filter nichts, aber auch gar nichts blockieren ist die Webseite des Titanic Magazins.
Nachtrag:
Und ja, ich habe ein (bezahltes) Titanic Abo. Das hat mir mein Bruder zu Weihnachten geschenkt
Nachtrag 2:
Ich habe noch ein paar Facebook-Blockierregeln ergänzt. Das entwickelt sich echt zur Seuche. Ich denke ich werde die Liste mal komplett überarbeiten und optimieren müssen. Dann kann ich die auch als Import-Filter zur Verfügung stellen, wenn das jemand interessiert.
Der US-Bundesstaat Massachusetts hat ein neues Datenschutzgesetz erlassen. Das kann interessante Folgen haben, wenn es wirklich konsequent angewandt wird. Im Gesetzestext (PDF) stehen nämlich ein paar spannende Formulierungen:
“The provisions of this regulation apply to all persons that own or license personal information about a resident of the Commonwealth.”
Das bedeutet wie im amerikanischen Recht üblich, der Schutz gilt nur für Amerikaner und in diesem Fall auch Kanadier, Briten, Australier etc., also alle Commonwealth-Staaten. Nicht jedoch für Franzosen, Deutsche, Italiener, etc. Irgendwie haben es die Amerikaner generell nicht so mit universellen Rechten. Die meisten Schutzrechte gelten nicht für alle Menschen sondern nur für US-Bürger.
“Every person that owns or licenses personal information about a resident of the Commonwealth …”
Im BDSG gibt es die Beschränkung, dass z.B. ein Datenschutzbeauftragter erst notwendig ist, wenn eine Mindestzahl von Mitarbeitern mit der Datenverarbeitung betraut sind. Die Amis ziehen das glatt für jede Person durch. Notfalls also auch für Kinder und Jugendliche. Auch wenn es da Einschränkungen nach Wert der Daten und individuellen Möglichkeiten zum Schutz gibt.
“Encryption of all transmitted records and files containing personal information that will travel across public networks, and encryption of all data containing personal information to be transmitted wirelessly.”
Ok, soweit so gut. Was ist mit z.B. Telefonnummern oder Kontakten (persönliche Daten!) die ich per SMS verschicke? Zukünftig verboten? Gut, die Amis nutzen kein SMS, aber im Prinzip?
“Encryption of all personal information stored on laptops or other portable devices;”
Mein Telefon kann gar keine solche Verschlüsselung. Sind diese Geräte zukünftig verboten? Oder wird es demnächst viele neue leicht zu bedienende Verschlüsselungsgadgets geben? Oder passiert gar nichts?
Am 31.03.2010 zwischen etwa 03:00 und 04:00 Uhr deutscher Zeit gab es eine schweremittleregeringfügige vernachlässigbare Datenpanne bei Facebook. Die E-Mail-Adressen der etwa 400 Millionen Mitglieder waren kurze Zeit kostenlos abrufbar. Normalerweise sind diese Adressen nur für viel Geld zu kaufen gut geschützt. Das Feature Der Bug wurde innerhalb weniger Minuten korrigiert und behoben. Die Abrufe der laut AGB Facebook gehörenden E-Mail-Adressen werden nachberechnet. Die Nutzer von Facebook können sich in den nächsten Tagen auf interessante neue Angebote vorbereiten, angefangen von Geschlechtsteilvergrößerungen über günstige Aktien der AsiaPac Capital Services bis hin zu Medikamenten im günstigen China-Versand. Facebook hat bereits erklärt, diesen zusätzlichen Mitgliederservice dauerhaft im kostenfreien Bereich zu erhalten.
Ein frei erfundener Sprecher von Facebook hätte dazu folgende Stellungnahme abgeben können: “Die Weitergabe der E-Mail-Adressen unserer Nutzer ist ein kostenloser zusätzlicher Service für unsere Mitglieder, die dadurch auf die günstigsten Angebote im Internet aufmerksam gemacht werden und so durch Facebook viel Geld sparen können.”Hat er aber nicht.
Ich empfehle ja, statt Facebook diesen Robot Messenger zu verwenden:
Der Robot Messenger wurde erstmals 1935 in London aufgestellt (laut dem Modern Mechanix Blog) und der Datenschutz ist mindestens genausogut wie bei Facebook.
In Oldenburg ist das Auto einer laut Polizeibericht “für das Internet tätigen Gesellschaft zur bildlichen Dokumentierung von Straßenzügen” beschädigt worden. Die Täter haben das Kabel zur auf dem Dach montierten Kamera durchgeschnitten, ein Loch in einen Reifen gestochen und einen Warnhinweis zum Platten hinter die Scheibenwischer der Windschutzscheibe gesteckt.
Vielleicht waren das die Bürger bei denen “Google Home View” vorbeigeschaut hat:
(Danke Sören)
Nachtrag:
Ja ich weiß, die Google Home View Satire gibt’s schon bissi länger. Aber die passt gerade so schön.
“Gates claimed right off that Microsoft “owned the office productivity market” and Openoffice needed to pay the Vole lots of cash in royalties. Bill told Schwartz that he was happy to “get you under license” so Sun would have to pay Microsoft for every download of Openoffice. However Schwartz was apparently ready for this and pointed out that .NET was clearly trampling all over a lot of Java patents.”
Die Rückkehr der Datenleichen
“Seit einigen Wochen geistert die Idee eines Datenbriefs durchs Internet und durch die Presse. Jeder Bürger soll einmal im Jahr von Behörden und Unternehmen informiert werden, welche Daten dort über ihn gespeichert sind.” Und das kann unter Umständen interessante Folgen haben.
Der Bund der Deutschen Kriminalbeamten ist konsterniert
“Bemerkenswert an der Pressemeldung ist aber nicht nur die Schadenfreude, die sie erzeugt. Bemerkenswert ist die ehrliche Furcht ihres Autors, daß sich etwas ändert in Sachen Grundrechte, daß man der Polizei eben nicht mehr jeglichen erdenklichen Kredit schenkt. Es ist nicht nur Pressemeldungsbefindlichkeitsanzeige: Man ist wirklich konsterniert.“
Der Safer Internet Day 2010 steht vor der Tür. Am 9. Februar soll er stattfinden. Auf klicksafe.de (Vorsicht beim klicken, siehe weiter unten!) steht das. Lustige Nasen sind das übrigens, die das veranstalten.
Im Newsticker steht vom 25.01.2010 die Meldung über ein neues Modul Datenschutz und Persönlichkeitsrechte mit dem Text:
“Das Thema “Datenschutz” scheint gewissermaßen über Nacht populär geworden zu sein […] Mit dem neuen Zusatzmodul können Leherinnen und Lehrer mit ihren Schulklassen gemeinsam zu Fragen des Datenschutzes und der Persönlichkeitsrechte arbeiten.”
Stimmt. Man könnte beispielsweise die Datenschutzpolicy von klicksafe.de anschauen. Da findet man dann so Petitessen wie:
“Alle Zugriffe auf diesen Server werden protokolliert. Es werden Datum, Uhrzeit, anfragend IP-Adresse/Host-Name, Browser/Betriebssystem-Version, Sprache, Proxy, aufgerufenes Dokument, übertragene Datenmenge, zuvor aufgerufenes Dokument, Art der Anforderung und Rückgabecode gespeichert. Diese Daten werden für statistische Zwecke ausgewertet und gegebenenfalls anonymisiert veröffentlicht.”
Ok, protokolliert wird viel. Ob das (a) nötig und (b) rechtens ist, darüber scheinen auch diverse Datenschutzbehörden unterschiedlicher Meinung zu sein. Aber sich dann auch gleich noch das Recht rausnehmen, die Daten auszuwerten und ggf. (anonymisiert) zu veröffentlichen ist schon recht frech. Da wundert es mich allerdings gar nicht, daß die Klicksafe-Nasen feststellen, daß “über Nacht” der Datenschutz populär geworden ist. Wenn man so den Kopf in den Sand steckt.
Im Impressum steht übrigens “Landeszentrale für Medien und Kommunikation (LMK) Rheinland-Pfalz”, also quasi eine staatliche Behörde. Und dann wundern sich die vermutlich noch, daß niemand Vertrauen zur staatlichen Datenkrake hat. Unglaublich.