{"id":171,"date":"2007-07-07T19:12:21","date_gmt":"2007-07-07T17:12:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.mitternachtshacking.de\/blog\/171-ec-karten-pins-und-die-wahrscheinlichkeit-von-bgh-richtern"},"modified":"2018-06-10T19:14:26","modified_gmt":"2018-06-10T18:14:26","slug":"ec-karten-pins-und-die-wahrscheinlichkeit-von-bgh-richtern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mitternachtshacking.de\/blog\/171-ec-karten-pins-und-die-wahrscheinlichkeit-von-bgh-richtern","title":{"rendered":"EC-Karten-PINs und die Wahrscheinlichkeit von BGH-Richtern"},"content":{"rendered":"<p><strong>These:<\/strong><\/p>\n<p>Lottospielende BGH-Richter kennen sich mit Wahrscheinlichkeitsrechnung nicht aus.<\/p>\n<p><strong>Beweis:<\/strong><\/p>\n<p>Betrachten wir das Samstagslotto. Simples 6 aus 49. Die Wahrscheinlichkeit f\u00fcr x richtige berechnet sich nach der klassischen Wahrscheinlichkeitsrechnung als <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hypergeometrische_Verteilung\">hypergeometrische Verteilung<\/a>. Die Formel ist etwas komplizierter, ich schreibe hier nur mal die Wahrscheinlichkeit f\u00fcr x richtige in einer Tabelle auf. Die Zufallszahl lassen wir mal au\u00dfer acht.<\/p>\n<table>\n<tr>\n<th>Anzahl Richtige<\/th>\n<th>Wahrscheinlichkeit<\/th>\n<th>Wahrscheinlichkeit in %<\/th>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>1<\/td>\n<td>1 : 2.421<\/td>\n<td>41,302 %<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>2<\/td>\n<td>1 : 7,554<\/td>\n<td>13,238 %<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>3<\/td>\n<td>1 : 56,656<\/td>\n<td>1,7650 %<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>4<\/td>\n<td>1 : 1.032,397<\/td>\n<td>0,096862 %<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>5<\/td>\n<td>1 : 54.200,837<\/td>\n<td>0,0018450 %<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>6<\/td>\n<td>1 : 13.983.816<\/td>\n<td>0,0000071511 %<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<p>Um also sagen wir mal ein paar hundert oder tausend Euro zu gewinnen, braucht man als Spieler nach den aktuellen Quoten schon 5 Richtige, also eine Wahrscheinlichkeit von 1 : 54201 (BayernLotto vom 23.06.2007: Gewinnklasse 4 (5 Richtige) mit 3.572,90 Euro).<\/p>\n<p>3.500 Euro k\u00f6nnte man jetzt auch von meinem Konto abheben, nat\u00fcrlich nur mit meiner EC-Karte und nat\u00fcrlich der Geheimzahl. Ich verrate jetzt sicher nicht zu viel wenn ich offenbare, da\u00df &#8222;0000&#8220; nicht die richtige PIN ist. Das ist auch nur zum einfacheren Rechnen. Bevor die Karte eingezogen wird, hat der Kartendieb 3 Versuche, bei 9999 verschiedenen PINs (die 0000 haben wir ausgeschlossen) also eine Wahrscheinlichkeit von 1 : 3333, an Geld zu kommen. Das ist mehr als Faktor 16 besser(!) als Lotto spielen. Und das sch\u00f6nste, man mu\u00df nichtmal einen finanziellen Einsatz t\u00e4tigen. Lotto spielen kostet mindestens 1,25 Euro pro ausgef\u00fclltem K\u00e4stchen ohne Spiel 77 und Super 6. Ok, einen kleinen Nachteil hat das EC-Karten klauen, es ist strafrechtlich bewehrt.<\/p>\n<p>Es ist also 16 mal so Wahrscheinlich, mit einer geklauten EC-Karte zuf\u00e4llig ein paar tausend Euro abzur\u00e4umen, als die gleichen paar tausend Euro im Lotto zu gewinnen. Nur der BGH sieht das offensichtlich anders. Die <a href=\"http:\/\/www.finanztip.de\/recht\/bank\/ec-karte-gestohlen.htm\">aktuelle Rechtsprechung<\/a> ist da ganz eindeutig:<\/p>\n<ul>In solchen F\u00e4llen spricht &#8222;der erste Anschein&#8220; daf\u00fcr, dass der Inhaber die EC-Karte und die PIN-Nummer nicht ausreichend getrennt aufbewahrt hat<\/ul>\n<p>Ein Lottospielender BGH-Richter kann folglich keine Ahnung von Wahrscheinlichkeitsrechnung haben. Die Wahrscheinlichkeit, da\u00df mit einer geklauten EC-Karte &#8222;zuf\u00e4llig&#8220; die richtige PIN erraten wird, wird als so unwahrscheinlich abgetan, da\u00df der Inhaber die PIN wohl irgendwo notiert haben mu\u00df. Aber dann Lotto spielen! qed.<\/p>\n<p><strong>Wie sicher ist die EC-Karte?<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Soweit ich wei\u00df, ist in jeden Geldautomaten ein Hardware-Chip eingebaut, der anhand von Daten auf der EC-Karte die PIN ermitteln kann. Das war fr\u00fcher notwendig, als die Datenleitung zum Rechenzentrum nicht zuverl\u00e4ssig genug war und der Nutzer sein Geld auch abheben sollte, wenn die PIN nicht zentral \u00fcberpr\u00fcft werden konnte. Davon ist man jedoch weitgehend abgekommen, weil jeder Kartendieb den Z\u00e4hler der PIN-Eingabe wieder auf 0 zur\u00fccksetzen kann, wenn die Fehleingaben nicht zentral sondern nur im Magnetstreifen der Karte gespeichert wird.<\/p>\n<p>Die Entschl\u00fcsselung ist au\u00dferdem auch nur mit dem Hardware-Chip m\u00f6glich, eine Software zur Berechnung ist nicht bekannt. Eigentlich eine recht sichere L\u00f6sung. Eigentlich. Inzwischen werden n\u00e4mlich auch <a href=\"http:\/\/www.wdr.de\/themen\/panorama\/kriminalitaet05\/geldautomat_grevenbroich\/index.jhtml\">komplette Geldautomaten gestohlen<\/a>. Nat\u00fcrlich mit dem Chip drin. Ich kann mir sehr gut vorstellen, da\u00df ein kluger Bastler mit dem Geldautomaten und dem Chip und ein wenig Elektronik was basteln kann, um anhand der EC-Karte die PIN zu ermitteln.<\/p>\n<p>Und selbst wenn das nicht m\u00f6glich sein sollte, es gibt immer wieder <a href=\"http:\/\/www.verbraucherzentrale-bayern.de\/UNIQ118365955822439\/link201087A.html\">F\u00e4lle von manipulierten Geldautomaten<\/a>. Sch\u00f6n dabei ist, da\u00df der Nutzer nachweisen mu\u00df, da\u00df so ein Geldautomat manipuliert war. Dabei erkennen oft sogar geschulte Kriminalbeamte die Manipulation nicht. Inzwischen gibt es sogar Diebesbanden, die in Gesch\u00e4fte einsteigen, dort jedoch nichts klauen sondern nur die <a href=\"http:\/\/www.geld-kompakt.de\/2007\/03\/14\/ec-karten-betrug-im-grossen-stil\/#more-168\">Ger\u00e4te f\u00fcr die EC-Kartenzahlung manipulieren<\/a> um sich die PIN-Eingaben der genutzten Karten zu verschaffen. Und wer ist schon in der Lage zu pr\u00fcfen, ob ein Leseger\u00e4t nicht manipuliert wurde.<\/p>\n<p><strong>Und die PIN?<\/strong><\/p>\n<p>Ein \u00c4rgernis ist die in Deutschland gebr\u00e4uchliche PIN mit nur vier Stellen. Ein Freund von mir (Franzose) arbeitet in Basel und hat ein Konto bei der UBS. Die Schweizer Banken erlauben durchg\u00e4ngig 6-stellige PINs, da hat man eine erheblich h\u00f6here Sicherheit als in Deutschland. Vermutlich ist der Schweizer an sich intelligenter und kann sich eine 6-stellige PIN merken, der dumme Deutsche aber nur 4 Stellen.  An der 4-stelligen PIN ist \u00fcbrigens Mrs Shepherd-Barron schuld, die Frau des Erfinders der Geldautomaten:<\/p>\n<ul>One by-product of inventing the first cash machine was the concept of the Pin number. Mr Shepherd-Barron came up with the idea when he realised that he could remember his six-figure army number. But he decided to check that with his wife, Caroline. &#8222;Over the kitchen table, she said she could only remember four figures, so because of her, four figures became the world standard,&#8220; he laughs.<\/ul>\n<p>Die BBC hat online einen <a href=\"http:\/\/news.bbc.co.uk\/2\/hi\/business\/6230194.stm\">l\u00e4ngeren Beitrag<\/a> \u00fcber den Erfinder des Geldautomaten.<\/p>\n<p>Vielleicht sind Kreditkarten doch keine so unsichere Erfindung?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>These: Lottospielende BGH-Richter kennen sich mit Wahrscheinlichkeitsrechnung nicht aus. Beweis: Betrachten wir das Samstagslotto. Simples 6 aus 49. Die Wahrscheinlichkeit f\u00fcr x richtige berechnet sich nach der klassischen Wahrscheinlichkeitsrechnung als hypergeometrische Verteilung. Die Formel ist etwas komplizierter, ich schreibe hier nur mal die Wahrscheinlichkeit f\u00fcr x richtige in einer Tabelle auf. 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